0

Flipped Classroom

Viele Gründe, warum man Unterricht einmal umdrehen sollte ...

Flipped Classroom

Was ist das?

Noch immer verläuft eine traditionelle Unterrichtsstunde frontal: Der oder die Lehrende steht vor einer Klasse, vermittelt die Inhalte und steuert den Unterrichtsverlauf. Das ermöglicht den Lehrenden zwar, ihren Input zu gestalten und anzupassen, erlaubt jedoch wenig Interaktion innerhalb der Lerngruppe und beschränkt den Austausch mit der Lehrperson auf spontane Verständnisfragen.

In der Konsequenz müssen die Lernpartner das Gehörte selbstständig zu Hause umsetzen – in Form von Hausaufgaben.

Das Prinzip Flipped Classroom (engl. „umgedrehter Unterricht“) versucht die Vorteile des frontalen Unterrichts mit einem dynamischen Unterrichtsverlauf zu kombinieren: Der Input wird digital – hauptsächlich durch Videos – zu Hause vermittelt, während der Unterricht selbst für die Beantwortung von Fragen, Übungen und Diskussionen genutzt wird.

Der Vorteil dieser Unterrichtsmethode liegt auch darin, dass die Videos zurückgespult und – so oft man möchte – wiederholt werden können. Das wäre im „normalen“ Unterricht nicht möglich.

Quelle:

vgl. URL: http://flipyourclass.christian-spannagel.de [Stand: 22.10.2019]

1. Videoproduktion
2. Interaktion
3. Mitmachen
4. Mehrwert
5. weitere Infos

1. Videoproduktion muss nicht aufwendig sein

Eine häufige Beschwerde von Lehrenden, die Lernvideos im Unterricht anwenden (möchten), ist die unzureichende Qualität vieler YouTube-Videos. Dieser Umstand spricht für die selbständige Produktion von Lernvideos, was häufig wiederum als zu aufwendig empfunden wird. Dabei ermöglicht das den Lehrenden auch die Kontrolle über das Material – genau wie beim Frontalunterricht. Der Konsens auf der Flipped Classroom Convention 2017 lautete: Die Erstellung eigener Lernvideos lohnt sich.

Denn wie auch bei herkömmlichen Materialien entwickeln Lehrende mit der Zeit eigene Vorlagen, die die Vorbereitung effizienter machen. Einige Teilnehmende der Convention empfanden die den Aufwand für die Erstellung von Videos vergleichbar zur normalen Unterrichtsvorbereitung. Die Vielzahl an verfügbaren Tools erleichtert außerdem die Aufgabe. So können Anwendungen wie etwa Screencast Lehrenden helfen, einfache animierte Videos zu erstellen und dadurch komplexe Themen erklären.

Quelle:

vgl. URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/233512/per-screencast-lernvideos-mit-geringem-aufwand-produzieren [Stand: 22.10.2019]

2. Soziale Interaktion ist wertvoller, wenn alle vorbereitet sind

Gute Vorbereitung, gutes Unterrichtsgespräch: Das liegt auf der Hand. Aber keine Panik, wenn die Lernpartner/-innen einmal unvorbereitet kommen. Die Lösung ist einfach: Sie müssen lernen ihre eigene Vorbereitung wertzuschätzen.

Der Geschichtslehrer Josef Buchner empfiehlt, erst gar nicht nach der Vorbereitung zu fragen, denn: „Im Frontalunterricht machen auch nicht alle mit.“ Stattdessen einfach weitermachen und vertrauen, dass sie mit der Zeit selbst merken, dass die Vorbereitung für sie wichtig ist.

Der Realschullehrer Sebastian Stoll empfiehlt dagegen eine Phase der „Flip-Gewöhnung“. Der Unterricht wird also nicht von heute auf morgen umgestellt. In diesem Übergang betont er die Bedeutung der Vorbereitung, erlaubt es aber den Lernpartnern/-innen langsam in der Methode anzukommen. Stoll betont zudem die Wichtigkeit, alle Beteiligten ins Boot zu holen. Es gehe nicht nur darum, die Lernenden an die Methode zu gewöhnen, sondern auch darum, die Lernbegleiter/-innen und Eltern mit dem Prinzip vertraut zu machen. Bei kontinuierlich unvorbereiteten Lernpartner(n)/-innen kann – wie auch in anderen Fällen – ein Gespräch mit den Eltern helfen.

Quellen:

vgl. URL: http://www.flipped-classroom-austria.at [Stand: 22.10.2019]

vgl. URL: https://www.180grad-flip.de [Stand: 22.10.2019]

3. Die Lernpartner/-innen können mitmachen

Anstatt von Referaten oder Aufsätzen können die Lernenden selbst Videos produzieren. Die dafür nötige längere Unterrichtszeit wird durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema ausgeglichen. Dafür müssen die technischen Voraussetzungen nicht besonders hoch sein: Die eigenen Smartphones der Lernpartner/-innen reichen schon aus.

Hinzu kommt, dass die Kinder Spaß und Interesse an der eigenen Videoproduktion haben. Häufig überlegen sie sich selbst, wie sie ihre eigenen Videos verbessern können und bringen sich selbständig die Nutzung weitere Tools zur Videoproduktion bei.

Der Grundschullehrer Thomas Seidel hat das selbst erfahren: „Eine Lernpartnerin war mit dem im Unterricht erstellten Video nicht ganz zufrieden. Zu Hause entwickelte sie ein neues Video und lernte auf Eigeninitiative hin sogar Videoschnitt.“

Weitere Möglichkeiten, Lernende miteinzubeziehen, ist die selbständige Erstellung von Übungen mithilfe digitaler Tools. Josef Buchner motiviert seine Lernpartner, selbst digitale Lernspiele zu produzieren und sich gegenseitig zu prüfen. Dafür benutzt er unter anderem die Webseite LearningApps.org.

Quellen:

vgl. URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/249359/eigene-geraete-in-der-schule-nutzen-byod-als-konzept-fuer-die-lehre-der-zukunft [Stand: 22.10.2019]

vgl. URL: https://learningapps.org [Stand: 22.10.2019]

4. Digitale müssen analoge Materialien nicht komplett ersetzen, sondern einen Mehrwert bieten

Digitale Bildungsmedien bieten vielen Möglichkeiten, können aber nicht alles. Es geht nicht darum, analoge durch digitale Bildungsmaterialien zu ersetzen, sondern darum, beides gezielt und einander sinnvoll ergänzend anzuwenden.

So belässt es der Lehrer Josef Buchner nicht bei der Produktion von Videos. Zum Üben erstellt er etwa Online-Quizze mithilfe der Plattform Kahoot!. Trotzdem bleibt das Lehrbuch zentraler Bestandteil seines Unterrichts.

vgl. URL: https://kahoot.com [Stand: 22.10.2019]

Related Posts

Leave a Reply